Die Unvollkommenheit der Liebe

Der Medientipp von Denise Hollenstein, Stellvertretende Bibliotheksleiterin Altstetten

Elizabeth Strout ist wiederum ein zutiefst menschlicher und unvergesslicher Roman gelungen. Wie schon in ihren vorangegangenen Romanen sind es die genauen Beobachtungen, die uns in ihren Bann ziehen.
Die Schriftstellerin Lucy muss aus unbekannten Gründen längere Zeit im Spital verbringen. Die ihr entfremdete Mutter besucht sie dort. Während sie über gemeinsame alte Bekannte reden, über deren unvollkommene Lieben, Eltern, Kinder und Ehemänner, kommen sie ihrer eigenen Vergangenheit wieder näher. Als Leser erhält man dabei einen tiefen Einblick in Lucys Kindheit in einer versehrten und angeschlagenen Familie.

Was ihr launischer und unberechenbarer Vater ihr damals antat, bleibt bis zum Schluss unklar. In diesen vier Tagen bekommt Lucy jedoch noch einmal die Mutterliebe zu spüren, dieselbe unverrückbare Liebe, die sie gegenüber ihren eigenen zwei Töchtern hegt.

Viele Gedankengänge werden oftmals nur angedeutet. Der nüchterne Schreibstil – kein Wort ist zu viel - überlässt dem Leser viel Freiraum für eigene Vorstellungen. Meines Erachtens ein psychologisches Meisterwerk!

  • «Die Unvollkommenheit der Liebe» von Elizabeth Strout
  • Luchterhand Literaturverlag, 2016

Der Roman ist in allen Bibliotheken erhältlich.

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